Die Schwerpunkte beim SFGV-Tag 2017

Über 300 Mitglieder des Schweizer Fitness- und Gesundheitscenter Verbands (SFGV) haben am 24. März den Weg ins KKL Luzern gefunden, um sich über die aktuellen Entwicklungen in der Schweizer Fitnessbranche zu informieren. Und so viel sei vorab gesagt: Beim SFGV-Tag 2017 gab es Licht und Schatten.

Hinter dem SFGV liegt ein bewegtes – und vor allem bewegendes Jahr. Das betonte SFGV-Präsident Claude Ammann bei seiner Eröffnungsrede im Rahmen der Generalversammlung 2017. Denn die zunehmende Konkurrenzsituation und der verstärkte Lobbyismus würden derzeit vor allem den KMUs der Branche das Leben schwer machen.

Doch Claude Ammann appellierte gleich zu Beginn mit einem klaren Statement an seine rund 300 Mitglieder im vollbesetzten Auditorium des KKL: „Heute, am 24. März, beende ich offiziell das Jammern in unserer Branche.“ Die Fitness- und Bewegungsbranche sei eine Innovationsbranche, die auch für neue Investoren zunehmend interessant werde. Da sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis neue Wettbewerber – insbesondere finanzstarke Ketten – auf den Markt drängten. Doch Claude Ammann hatte auch gleich eine Lösung parat: „Wir müssen unseren Blickwinkel ändern und unsere Stärken nutzen.“ Denn nur als inhabergeführtes Fitnessunternehmen habe man die Flexibilität, schnell und unbürokratisch auf Kundenwünsche zu reagieren. Einzelunternehmer seien deutlich näher am Kunden und hätten somit in Puncto Kundennähe einen unschlagbaren Vorteil gegenüber den Ketten. Das müsse sich jeder Unternehmer in schwierigen Zeiten zunutze machen.

Bilanz 2016
Auch ein Blick auf die Kennzahlen aus 2016 spräche für die KMUs: Von insgesamt 800 Fitnesscentern in der Schweiz seien 500 inhabergeführt, 200 gehörten den Ketten an und ca. 100 zählten zu den Discountern. Gemessen am Marktpotenzial, ist hier noch deutlich Luft nach oben: Derzeit gäbe es 700.000 Fitnesssportler bei rund 4,2 Millionen gesundheitsorientierten Menschen. Rechnet man „Menschen mit Beschwerden“ als potenzielle Zielgruppe mit ein, kommen nochmals 3,5 Millionen Menschen hinzu (Quelle: GFK Schweiz), die Fitnessunternehmer mit ihrem Angebot ansprechen können.

Um gerade die neuen Kundengruppen professionell betreuen zu können, hat sich der Verband auch im vergangenen Jahr stark in Sachen Berufsbildung engagiert und die neue Diplomausbildung (Beschulung ab 2018) weiterentwickelt. Den Absolventen werden zwei Fachrichtungen zur Verfügung stehen, die optional gewählt werden können:

  • Führung eines Fitness- und Bewegungscenters
  • Medizinische Fitness im Netzwerk

Neben dem „EFZ Fachmann/-frau Bewegungs- und Gesundheitsförderung“ und dem „Spezialisten“ stehen mit Einführung der neuen Diplomausbildung künftig drei staatlich anerkannte Ausbildungen offen.

Volksinitiative ist gescheitert
Neben diesen positiven Entwicklungen gab es aber auch eine enttäuschende Bekanntmachung: Die 2015 und 2016 verabschiedete Lancierung der Volksinitiative „Ja zur Bewegungsmedizin“ ist gescheitert: „Leider wurden die Erwartungen von einem grossen Teil unserer Mitglieder in Bezug auf die Sammlung der Unterschriften nicht erfüllt. Anscheinend ist die tägliche Routine zu viel oder die Zeit war einfach noch nicht reif“, suchte Claude Ammann nach Erklärungen. Bis Juni hätten 100.000 beglaubigte Unterschriften vorliegen müssen. Bei einem derzeitigen Stand von gerade einmal 12.000 Unterschriften sei diese Anzahl nicht mehr zu schaffen.

Besonders stark habe sich Paul Kuoni, Inhaber Fitness Connection Sursee, bei der Unterschriftensammlung engagiert. Mit 1.900 gesammelten Unterschriften sei sein Einsatz außerordentlich gewesen, dankte ihm Claude Ammann.

Wechsel im Vorstand
Ausserdem gab der Verband bei der Generalversammlung einen Wechsel im Vorstand bekannt: Veronika Leidescher scheidet aus dem Vorstandsteam aus. Dafür wird ab sofort Andre Trummer, Geschäftsführer der Wintifit AG Winterthur, den Vorstand mit seinem Know-how unterstützen. Seine Wahl wurde bei der Versammlung von den Mitgliedern offiziell bestätigt.

Fitnessbranche greift nach Medaillen
Wie der Verband bekannt gab, plant er eine Teilnahme bei den „SwissSkills 2018“. Dabei handelt es sich um eine Berufsmeisterschaft, bei der über 60 verschiedene Branchen ihr Können demonstrieren. Bei der Erstauflage vor vier Jahren in Bern besuchten rund 155‘000 Personen die Meisterschaften und es gab ein enormes mediales Echo: „Wir sehen das als Chance, der Bevölkerung zu präsentieren, was die Fitnessbranche alles macht und kann“, erklärte Claude Ammann. Die Veranstaltung findet im Herbst 2018 statt und alle Mitglieder werden in den kommenden Wochen umfassend darüber informiert.

Ergänzend dazu referierte Christine Davatz-Höchner, Vizedirektorin des Schweizer Gewerbeverbands (SGV) und Mitinitiatorin der SwissSkills, zum Thema „Berufsbildung“ und über die Chancen, seinen Berufsnachwuchs selbst auszubilden.

Ausgebuchtes Galadiner
Nach Workshops und Fachausstellung erwartete die Gäste am Abend ein weiteres Highlight: der Besuch des Galadiners, das in diesem Jahr restlos ausgebucht war. Neben einem exklusiven Vier-Gänge-Menü sowie den musikalischen Top Acts „Soul-Brothers“ und „Fäbs“ wurden in diesem Rahmen ausserdem der „body LIFE Club des Jahres 2016“ gekürt (siehe S. 26) sowie die besten Absolventen der Abschlüsse „Fitness­instruktor/-in“ bzw. „Fachmann/-frau Bewegungs- und Gesundheitsförderung“ ausgezeichnet.

Aber in erster Linie stand an diesem Abend die Geselligkeit im Mittelpunkt und für den Verband die Möglichkeit, nach einem anstrengenden Jahr trotz Rückschlägen gemeinsam mit seinen Mitgliedern positiv in eine erfolgreiche  Zukunft zu blicken.

Eindrücke