Ein Tag. 1000 Take-Aways.
«Die alte Ordnung liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Es ist die Zeit der Monster.»
Mit diesem Zitat des italienischen Denkers Antonio Gramsci eröffnete Claude Ammann die Mitgliederversammlung des diesjährigen Gesundheitstags. Zugegeben, nicht gerade die Worte, die man an einem sonnigen Freitagmittag im Kursaal Bern erwartet. Doch rückblickend scheint dieses Zitat die aktuelle Situation unserer Branche erstaunlich gut zu beschreiben.
Für mich fühlt sich der Gesundheitstag jedes Jahr ein wenig wie ein Nachhausekommen an. Man trifft bekannte Gesichter, tauscht sich aus, lacht gemeinsam und erfährt, was Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten beschäftigt hat. Als ich gegen 11 Uhr im Kursaal Bern ankam, herrschte bereits reger Betrieb. Die Stimmung war entspannt, positiv und voller Vorfreude auf einen ereignisreichen Tag.
Bevor die Mitgliederversammlung begann, nutzte ich die Gelegenheit für einen Rundgang durch die Ausstellung. Besonders aufgefallen ist mir dieses Jahr, dass neben vielen bekannten Partnern auch neue Aussteller vertreten waren. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie stark Fitness, Gesundheit und Physiotherapie inzwischen zusammengewachsen sind. Neben innovativen Trainings- und Diagnostiklösungen waren auch zahlreiche Angebote für den Therapie- und Gesundheitsbereich zu entdecken. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie viele kreative Ideen und neue Lösungen unsere Branche hervorbringt.
Um 12 Uhr eröffnete Claude Ammann die Mitgliederversammlung. Claude hat mich nicht nur mit seiner Rede beeindruckt, sondern vor allem damit, dass er nach seinem gesundheitlichen Rückschlag bereits wieder voller Energie auf der Bühne stand. Viele hätten in seiner Situation vermutlich einen Gang zurückgeschaltet. Claude hingegen stand wieder dort, wo man ihn kennt: an vorderster Front.
Im Jahresbericht sprach er über eine Branche im Wandel. Digitalisierung, Fachkräftemangel, neue Kundenbedürfnisse und der zunehmende Druck grosser Ketten stellen viele Unternehmen vor Herausforderungen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass gerade inhabergeführte Fitness- und Gesundheitscenter Stärken besitzen, die sich nicht kopieren lassen: persönliche Betreuung, Vertrauen, Nähe und echte Beziehungen zu den Menschen.
Für spannende Denkanstösse sorgte anschliessend Keynote-Speaker Stefan Kaufmann. Besonders interessant fand ich, dass er die Sichtweise des Gesundheitssystems darlegte und damit einen Perspektivenwechsel ermöglichte. Während wir in unserer Branche oft über Prävention und Bewegung sprechen, zeigte er auf, welche Chancen, aber auch welche Herausforderungen entstehen, wenn solche Angebote stärker in bestehende Gesundheitssysteme integriert werden sollen. Es war aufschlussreich, einmal die andere Seite zu hören.
Nach dem gemeinsamen Lunch blieb genügend Zeit für Gespräche und einen weiteren Rundgang durch die Ausstellung, bevor das Nachmittagsprogramm startete.
Ein persönliches Highlight war für mich der Vortrag von Andy Ruf. Mit viel Praxisbezug sprach er über künstliche Intelligenz, Positionierung und die Zukunft der Kommunikation. Gerade für kleine und mittlere Gesundheitscenter steckt darin eine grosse Chance.
Auch die Themen Aus- und Weiterbildung, SwissSkills, Digitalisierung und Arbeitssicherheit zeigten eindrücklich, wie intensiv sich der Verband für die Weiterentwicklung unserer Branche engagiert.
Den Abschluss des Fachprogramms bildete Jürg Neukom mit seinem Referat über die Bedeutung von Gruppentrainings. Mit viel Humor und Praxisnähe verdeutlichte er, weshalb Group Fitness weit mehr ist als ein Kursangebot. Menschen kommen vielleicht wegen des Trainings, bleiben aber oft wegen der Gemeinschaft. Eine Aussage, die wohl viele Betreiberinnen und Betreiber sofort nachvollziehen konnten.
Nach dem letzten Programmpunkt ging der Gesundheitstag in den gemütlichen Teil über. Beim Together-Apéro wurden Kontakte gepflegt und die zahlreichen Eindrücke des Tages diskutiert. Anschliessend sorgte das Flying Dinner für kulinarische Genüsse, bevor DJ Dylan die Tanzfläche eröffnete. Die Stimmung war ausgelassen, es wurde getanzt, gelacht und bis in den Abend hinein genetzwerkt.
Der Gesundheitstag 2026 hat einmal mehr gezeigt, wie vielfältig, engagiert und zukunftsorientiert unsere Branche ist. Vor allem aber hat er deutlich gemacht, dass die grössten Stärken unserer Branche nicht in Geräten, Software oder Konzepten liegen, sondern in den Menschen dahinter. Und genau deshalb fühlt sich dieser Tag für mich jedes Jahr ein wenig wie ein Nachhausekommen an.
Autorin: Robyn Leibundgut
